Was ja die wenigsten wissen, ist dass ich neben dem offiziellen Himmelfahrtskommando noch ein zweites laufen hatte. Der Herzallerliebste mochte nämlich auch einen Übergangsmantel haben, und zwar den hier:
Der Schnitt ist der McCalls 4745 und wir beide hatten viel Spaß miteinander. Schnitte, in denen die Nahtzugabe schon eingebaut ist, finde ich mal so per se verwirrend – vor allem, weil ich gewohntheitsmäßig ganz andere Zugaben mache. Aber gut. Beim Anpassen des Schnittes fiel mir dann auf, dass das Ober- und das Unterteil überhaupt nicht aufeinanderpassen – und dann waren da noch an den seltsamsten Stellen irgendwelche Nahtlinien angegeben… Hä? Watt?
Es hat eine Stunde gebraucht, in denen ich die Schnittteile hin- und herschob, faltete, abklebte, nachmaß,…, bis mir dann endlich mal aufgefallen ist, dass der Schnitt hinten drei Kellerfalten hat. Das habe ich auf der technischen Zeichnung beim besten Willen nicht gesehen. Aber gut.
Das Oberteil habe ich dann mal zugeschnitten und noch ohne Einlage geheftet, damit der Schatz es mal anprobieren kann – und siehe da, bis auf kleine Änderungen am Ärmel passte es schon ganz gut und ließ noch genug Luft für das Futter. Also Einlage draufgebügelt und schon mal den Oberstoff final zusammensetzen. Die Schulternaht muss dabei von 22 cm auf 19 cm eingehalten werden, damit die Schulter schön rund wird. (Ich kenn mich nicht so aus mit Mantel- bzw. Herrenschnitten – ist das viel?) Dieses kleine Detail hat mich 5 (in Worten: fünf!!!!) Anläufe gekostet – erst war die Naht dann doch wieder 21 cm lang, dann hab ich nicht aufgepasst und die Teile rechts auf Links zusammengenäht, dann hab ich nochmal nicht aufgepasst und das rechte Vorderteil an der linken Schulter angenäht, dann hab ich eine Pause gemacht und dann habe ich nochmal zwei Versuche gebraucht, bis die Nähte beide so was um 19 cm lang und einigermaßen faltenfrei waren. Puh. Stellt sich raus: Immer noch zu breit. Die letzten 1,5 cm habe ich dann aber abgeschnitten. Aber gut.
Das ich dann wieder nicht aufgepasst habe (ich muss besser aufpassen!!) und den ersten Ärmel links auf links genäht habe, ist ja dann schon fast zu vernachlässigen – rechte und linke Stoffseite unterscheiden sich zum Glück nicht, also bleibt das jetzt so.
Ich wollte dann gern in das Oberteil noch ein dünnes Zwischenfutter einbauen, denn der Oberstoff ist recht dünn, und in Bremen soll’s ja gelegentlich recht windig sein. Es sollte aber nicht zu dick sein, also die Form und den Fall nicht großartig verändern. Bei Lucy von Nahtzugabe habe ich gelernt, dass man auch sowas wie Batist nehmen kann. Dann fiel mir ein, dass ich ja noch einige Leinenlaken rumzuliegen habe. Leinen wurde früher ohnehin häufig als Zwischenfutter verwendet, da wurde es schon fast authentisch. Also flugs zugeschnitten und in das Oberteil eingesetzt. Das klappte tatsächlich ganz gut!
Naja, außer bei den Ärmeln. Die waren mit Zwischenfutter zum Einhalten nämlich viel zu dick und warfen Falten. Das Ergebnis waren sehr puffige Ärmel, die an einer viktorianischen Damenjacke sicher toll ausgesehen hätten. Aber nicht an einer Herren-Uniformjacke. Also nochmal rausgetrennt und den oberen Teil der Armkugel erstmal ohne Zwischenfutter genäht – das klappte einigermaßen. Nachdem die erste Naht dann saß, konnte ich den Rest vom Ärmel samt Zwischenfutter fertignähen. Der zweite Ärmel ließ mich aber vollends im Stich. Das Rumgezerre und die Auftrennerei hat dem empfindlichen Wollstoff nicht gutgetan, so dass er sich völlig verbeult hatte. Da half nur noch 2 cm abschneiden, nochmal versuchen, eine schöne Armkugel zu formen und ordentlich Dampf aus dem Bügeleisen. Bin trotzdem eher unterzeugt von dem Ergebnis, für einen neuen Ärmel reichte aber der Reststoff (und der Elan) nicht mehr. Aber gut.
Das Unterteil und das Innenfutter machten dann glücklicherweise deutlich weniger Ärger. Beides war schnell zusammengesetzt und ließ sich einigermaßen problemlos zu einem Gesamtwerk vereinigen. Nach einem Nähmarathon am 1. Mai fehlten nur noch Säume und Knöpfe und gestern kam dann die finale Fertigstellung.
Und was soll ich sagen: Trotz Ärmel-Ärger kann sich das Ergebnis doch sehen lassen:
Insgesamt hat das Projekt echt Spaß gemacht und ich habe viel gelernt – vor allem wie man Paspeltaschen näht und wie das Konzept “Zwischenfutter” funktioniert. Und das McCalls-Schnitte reichlich seltsame Maße zu Grunde legen.