Archive for the ‘Politisches’ Category

Freiheit statt Angst 2010 Sonntag, September 5th, 2010

Infos zu Anreisemöglichkeiten gibt’s hier.

Die Musik find ich übrigens sehr geil diesmal, ist eine alte Volksmelodie aus dem Balkan.

65.000 singen “Freunde schöner Kopfbahnhöfe” Samstag, September 4th, 2010

Einfach. Nur. Geil.

Nach wie vor protestieren jeden Tag Tausende gegen ein Projekt, dass eigentlich schon eingetütet ist – und nachdem die jahrelangen Proteste im Vorfeld ungehört verhallten. Gestern waren – laut  Veranstalter – 65.000 Menschen auf der Straße, das sind 10 % Einwohner Stuttgarts! Das nenn ich hartnäckig. Ich hoffe, diese Hartnäckigkeit und diese neue Wir-werden-nicht-weichen den Stuttgarter erhalten bleibt und vielleicht auch ein wenig auf den Rest der Republik abfärbt. Durchhalten!!

Hier ist übrigens der Text von “Freunde schöner Kopfbahnhöfe” – einige Strophen sind universal einsetzbar.

Menschen auf die Straße, Güter auf die Schiene. Mittwoch, September 1st, 2010

Als ich vor ungefähr zwei Jahren im Spanien-Urlaub war, habe ich mich gefragt, warum man dort so gut mit dem Bus reisen kann und hier in Deutschland nicht. Die gleiche Frage haben sich offensichtlich auch einige Studenten aus Friedrichshafen gestellt. Doch anstatt nur einen schlichten Blogbeitrag darüber zu verfassen, schritten sie zur Tat: Sie fanden eine Lücke im Gesetz und gründeten eine Art Mitfahrzentrale für Reisebusse: DeinBus war geboren.

Anders als bei den bekannten Transportmittel kann man hier nicht sofort verbindlich buchen, sondern erst dann, wenn sich eine bestimmte Anzahl Personen für die gleiche Strecke entscheidet. Dadurch, dass die Busse nicht fest geplant sind, sondern sich ein “zusammengehöriger Personenkreis” finden muss, werden die Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes umgangen.

Um dieses Angebot in Zukunft aber noch gebraucht wird, ist eine andere Frage. Denn im Juni diesen Jahres hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Bahn grundsätzlich die Konkurrenz von Buslinien auf allen Strecken dulden muss. Voraussetzung: Die Busreise muss deutlich günstiger sein als die Bahnfahrt. Das ist machbar.

Damit könnte das Monopol der Bahn ins Wanken geraten: Die Reise im Bus, umweltfreundlicher als mit der Bahn, zu günstigeren Preisen und dann noch mit einer funktionierenden Klimaanlage – klingt nach einem guten Angebot. Es würde allerdings auch bedeuten, dass noch mehr Verkehr runter von der Schiene und wieder auf die Straße kommt. Und das, wo uns dank der mangelnden Investitionen der Bahn ohnehin der “Verkehrsinfarkt” droht. Jahrelang wurde der Ausbau des Gleisnetzes vernächlassigt – zugunsten von Prestigeprojekten wie Stuttgart 21.

Die Woche in meiner Timeline III Samstag, August 28th, 2010

Das Sommerloch ist vorbei (deutlichster Hinweis: Das Wetter) und der Informationsfluss hat wieder das übliche Tempo aufgenommen. Folglich weiß ich in dieser Woche gar nicht, wo ich anfangen soll. Am besten bei A wie…

Atomstreit: Krieg der Studien

Während Bundes-Merkel auf der Suche nach einem Energiekonzept noch durch die Kraftwerke tingelt, schüttelt Ökostrom-Anbieter Lichtblick schnell ein eigenes aus dem Ärmel. Demzufolge kann die Stromversorgung Deutschlands bis 2050 zu 100 % aus regenerativen Energien gesichert werden, sofern jetzt in neue Speicher und Stromnetze investiert wird. Ein Gutachten aus Regierungsauftrag hingegen kommt erwartungsgemäß zu einem anderen Ergebnis – doch die Zeit will gravierende Fehler in der Argumentation gefunden haben.

Wie Dokumente zeigen, haben die Gutachter längere Reaktorlaufzeiten daher geradezu schöngerechnet. Sie vergleichen die Folgen verschiedener Laufzeitverlängerungen mit einem sogenannten Basisszenario, dem bislang geplanten Atomausstieg. Während aber bei allen Verlängerungsszenarien zusätzliche, vom Betrieb der Kernkraftwerke völlig losgelöste Klimaschutzmaßnahmen berücksichtigt werden, finden diese im Basisszenario nicht statt. Als ob Klimaschutz nur machbar wäre, wenn die Meiler länger am Netz blieben. Eine absurde Annahme.

Zudem wird die Unabhängigkeit der Studie bezweifelt: Das Institut erhält nicht unwesentlich Gelder aus den Kassen von Eon und RWE. Gleichzeitig wird das Bundesministerium für Wirtschaft von Greenpeace verklagt, um die Veröffentlichung des Energieberichts 2009 zu erreichen. Die Organisation vermutet darin Informationen, die den Atombefürwortern die Argumentationsgrundlage entziehen. Es bleibt spannend.

Gummiparagraph: Bundeskabinett legt Entwurf zum Arbeitnehmer-Datenschutz vor

Thomas de Maizières neues Datenschutzgesetz folgt wieder einmal der Linie: “Es ist alles ok, solange nur alle darüber Bescheid wissen” So sollen Arbeitnehmer nun offiziell ihre Mitarbeiter mit Videokameras überwachen dürfen – Hauptsache, es hängt ein ISO-genormtes Schild an der Tür und alle Mitarbeiter haben einen Einverständniszettel unterschrieben. Darüber, das Arbeitnehmer wohl kaum eine Wahl haben, solche Maßnahmen abzulehnen, wenn sie ihren Arbeitsplatz nicht verlieren wollen, wird wie üblich kaum ein Wort verloren. Die Grünen wollen Mitte September einen eigenen (löblichen, aber zum Scheitern verurteilten) Vorschlag in den Bundestag einbringen und wagen dafür ein interessantes Experiment: Der Entwurf ist unter http://beschaeftigten-datenschutz.de/ einsehbar und kann von allen Interessierten kommentiert werden. Bleibt die Frage: Wann kommt Liquid Feedback?

Don’t mess with the cat

Apropos Videoüberwachung: Eines kann man der sogenannten Internet-Community nicht vorwerfen: Mangelnde Tierliebe. Das musste zuletzt eine Frau aus Coventry feststellen, die offenbar in einem Anfall geistiger Umnachtung die Nachbarskatze in eine Mülltonne warf. Dummerweise hatten die Nachbarn über besagter Tonne eine Kamera angebracht, die den Vorfall dokumentierte. In einem weiteren Umnachtungsanfall stellten die Katzenbesitzer das Video bei Youtube ein (ok, mangelnden Respekt vor menschlichen Persönlichkeitsrechten kann man schon einigen vorwerfen). Womit sie alle wohl nicht gerechnet hatten, war der Sturm der Entrüstung, der darauf über Conventry hereinbrach. Wütende Mobs bedrohten die Frau, die die ganze Aufregung gar nicht verstand. Vielleicht sollte ihr jemand mal eine wichtige Internetregel erklären: Das Internet liebt Katzen.

Die Rache der Raucher: Schwere Zeiten für bayrischen Volksentscheid-Initiator

Apropos wütender Mob: Mit einem solchen hat auch Sebastian Frankenberger zu kämpfen. Der Initiator des bayrischen Nichtraucher-Volksentscheids kann sich seit der Entscheidung für das schärfste Nichtrauchergesetz in Deutschland kaum mehr in einer Kneipe blicken lassen. In den meisten hat er Lokalverbot. Leute wechseln die Straßenseite, Frankenberger wird offen angfeindet. So sehr ich auch die bayrische Lösung ablehne: Im Grunde haben die Wirte und Raucher selbst schuld. An dem Volksentscheid haben gerade einmal 37,7 % teilgenommen – hätten all diejenigen, die Frankenberger jetzt vor die Füße spucken, an besagtem Sonntag den Arsch hochbekommen, könnten sie jetzt friedlich in der Eckkneipe weiterquarzen.

Pepkac: Der ePA im Test

Der CCC hat in einem Plusminus-Beitrag gezeigt, warum der neue elektronische Personalausweis (ePA) nicht sicher ist. Zwar mag das Dokument selbst gut geschützt sein – die Schwachstelle ist aber – wie so häufig – der Anwender: Ist der PC, auf dem der ePA genutzt wird, mangels Schutz kompromittiert, helfen auch alle Verschlüsselungen nicht mehr.

Männlich, Weiblich, Sonstiges: Indien und Pakistan erkennen drittes Geschlecht an

Lesetipp zum Wochende: In westlichen Kulturen wird die Idee eines dritten Geschlechts erst seit wenigen Jahren vereinzelt diskutiert. Im nahen und mittleren Osten ist das Drei-Geschlechter-Modell seit Jahrtausenden tief verwurzelt: Die Aufteilung in zwei Geschlechter wurde von den britischen Kolonialherren importiert. Damit ist nun in Indien und Pakistan Schluss, seit kurzem gibt es juristisch wieder drei Optionen.

Verbaldiarrhoe

Ach ja. Zum Thema Sarrazin kann ich eigentlich nur Haekelschwein zitieren:

In diesem Sinne.

Schönes Wochenende.

Volles Programmm in der Bürgerschaft Dienstag, August 24th, 2010

Heute geht auch für die Bremische Bürgerschaft die Sommerpause zu Ende. Für die nächsten Sitzungen vom 24.-26.8. haben sich die Abgeordneten  einiges vorgenommen. Ein Auszug:

Anträge und Berichte

Große und kleine Anfragen

Gesetzesentwürfe

Die Eingetragenen Lebenspartnerschaften werden laut Ablaufplan gleich nach der aktuellen Stunde diskutiert.

In der Stadtbürgerschaft wird ebenfalls über die geplante Abwasser GmbH debattiert. Im Weser Kurier war dazu zum Beispiel hier und hier zu lesen.

Im Übrigen hat die Bürgerschaft eine neue Webpräsenz, bei der ich mich maßlos darüber aufrege, dass man keine Plenarprotokolle mehr downloaden kann. Dazu werde ich auch nochmal Schriftverkehr aufsetzen, ich fühle mich in meiner Informationsfreiheit eingeschränkt. Alte Tagesordnungen gibt es auch nicht mehr, weswegen ich nicht dazu schreiben kann, welche Themen schon länger auf der Liste rumdümpeln. Ich kann so nicht arbeiten.

Gimme five! Das neue Wahlrecht in Bremen Sonntag, August 22nd, 2010

In genau 9 Monaten wird in Bremen wieder gewählt. Die Bürgerschaftswahl im Mai 2011 wird erstmals nach dem 2006 beschlossenen neuen Wahlrecht durchgeführt. Deshalb zur Einstimmung hier schon einmal die Eckpunkte des neues Systems:

  • Die Parteien stellen weiterhin Listen auf, auf dem Wahlzettel sind nun aber alle Kandidaten einzeln aufgelistet. Statt der gesamten Parteiliste können nun Kandidaten direkt gewählt werden.
  • Damit aus dem Wahlzettel keine Tapete wird, wird es wohl ein übersichtlicheres Wahlheft geben.
  • Jeder Wahlberechtigte hat 5 Stimmen, die frei über Listen und/oder Kandidaten verteilt werden können.
  • Die Stimmen können gebündelt für eine Partei/einen Kandidaten vergeben werden (Kumulieren) oder auf mehrere Parteien/Kandidaten verteilt werden (Panaschieren)
  • Wahlberechtigt sind alle Bremer, die das 16. Lebensjahr vollendet haben.

Das neue Wahlrecht eröffnet dem Wähler neue Möglichkeiten. Man kann beispielsweise explizit Kandidaten der unteren Listenplätze wählen, die bei einer reinen Listenwahl wenig Chancen hätten.

Die Stimmabgabe wird nicht ungültig, wenn man weniger als eine Stimme abgibt. Jede Stimme zählt einzeln, wenn ich also nur ein Kreuz mache, zählt das auch nur als eines – vier meiner Stimmen habe ich dann verfallen lassen.

Die Sitzverteilung wird nach dem Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren ermittelt. Anhand der Stimmverteilung auf alle Vorschläge – also Liste und Kandidaten – wird zunächst die Anzahl der Sitze pro Partei errechnet. Die Sitze werden dann mit den Kandidaten der Partei besetzt, und zwar in der Reihenfolge des Stimmenanteils: Der Wähler kann also durch seine Stimmabgabe die Reihenfolge der Liste beeinflussen. Erst bei Stimmengleichheit von zwei Kandidaten entscheidet die von der Partei vorgeschlagene Reihenfolge.

Beispiele für Wahlstrategien

Angenommen, ich bin grundsätzlich ein Anhänger der Partei X, halte aber die oberen Reihen der Partei für unfähig. In diesem Fall kann ich alle meine Stimmen der Kandidatin Erika Mustermann geben, die bei Partei X nur Listenplatz 35 hat. Dadurch kommt vielleicht Frau Mustermann in die Bürgerschaft und ein Kandidat der unfähigen Führungsetage muss draußen bleiben.

Wenn ich aber der Meinung bin, Bremen bräuchte unbedingt eine Koalition aus den Parteien A und B – und mir ist egal, wer das dann macht – dann verteile ich meine fünf Stimmen auf die beiden Parteilisten: 3 Stimmen für A, 2 für B.

Bin ich mit dem Listenvorschlag meiner Lieblingspartei einverstanden, gebe ich trotzdem dem Spitzenkandidaten alle meine Stimmen – denn wenn die anderen Wähler kein Fan von diesem sind, könnte er nicht lange Spitzenkandidat bleiben.

Ist mir das alles egal, weil ich immer Partei C gewählt habe und das auch weiterhin tun werde, gebe ich Partei C eine Stimme, gehe nach Hause und mache die Glotze wieder an.

Fazit

Generell kann man sagen, wenn man besondere Sympathien für einen oder mehrere Kandiaten hat, sollte man auch diesen die Stimmen geben. Erst wenn mir Personalien egal sind, oder ich keinen der Bewerber kenne, wähle ich die Liste.

Mal richtig abschalten! Anti-Atom-Aktion in Bremen Samstag, August 21st, 2010

Passend zu den aktuellen Querelen um die AKW-Laufzeiten fand heute auf dem Bremer Hanseatenhof eine weitere Aktion unter dem Motto “Mal richtig abschalten” statt. Aus dem Aufruf:

Auch in Bremen „schalten wir mal richtig ab“ – und fordern die Bundestagsabgeordneten Bernd Neumann (CDU) und Torsten Staffeldt (FDP) auf, die Atomkraftwerke abzuschalten. Auf dem Hanseatenhof machen wir es uns mit Sommerlaune richtig bequem: auf Handtüchern, in Liegestühlen und unter Sonnenschirmen. Auf ein Signal hin springen wir auf und entfalten Plakate mit der Aufforderung an die Abgeordneten: “Bernd Neumann/Torsten Staffeldt: Atomkraft abschalten!”

Die Woche in meiner Timeline II Samstag, August 21st, 2010

Anti-Atomdemo in Berlin, 18.9.

Leere Versprechungen: Atomindustrie “droht” mit AKW-Abschaltung

In den Verhandlungen zwischen Regierung und den Stromkonzernen kam es diese Woche zum Eklat: Die Stromkonzerne zeigten sich erbost über die geplante Brennelementesteuer und “drohten” – dem Spiegel zufolge – mit der sofortigen Abschaltung aller Atomkraftwerke. Da könnte man sich schlicht denken: Äh, ja – bitte! Aber ganz so einfach ist es wohl nicht. Die versuchte Erpressung verfolgt das Ziel, das für September angekündigte Energiekonzept der Regierung im Sinne der Energiekonzerne zu beeinflussen. Der Vorschlag ist in etwa folgender: Die Regierung verzichtet auf die Steuer, dafür legen die Konzerne einen Fond an aus dem sie sich Forschungsprojekte finanzieren. Die Staatskasse bekommt aus diesem Fond auch eine Kleinigkeit ab (ich schätze mal so in Höhe der jährlichen Zinsen) und dafür dürfen die Atomkraftwerke bis zum Sankt Nimmerleins Tag weiterlaufen. Oder bis sie explodieren, je nachdem was früher eintritt.

Adolf Sauerland und der Streisand-Effekt

Duisburgs vielkritisierter Oberbürgermeister Sauerland durfte in dieser Woche etwas über Netzphänomene lernen. Am Dienstag versuchte die Stadt per einstweiliger Verfügung die Veröffentlichung einiger Dokumente zu untersagen, die die Verwaltungsvorgänge der Loveparade näher beleuchten. Diese sind nämlich dem Duisburger Blog xtranews in die Hände gefallen. Die Reaktion der Stadt ließ nicht lange auf sich warten. Man berief sich erst auf das Urheberrecht, später dann – als den Anwälten auffiel, das Protokolle und Anwesenheitslisten keinen Urheberrechtsschutz genießen – wurde der Datenschutz vorgeschoben. Das Vorgehen beruhte wohl auf der irrigen Annahme, das sowas beim einem kleinen Lokal-Blog schon keinem auffallen werde. Und so machte die Stadt Duisburg Bekanntschaft mit dem Streisand-Effekt: Noch am selben Tag landete die Meldung auf netzpolitik.org und wenige Stunden später hatten zig Leute Kopien der Dokumente online gestellt. Eigentor.

Lauschangriff over IP: Skype ist abhörbar

Lange Zeit galt Skype als sicheres Kommunikationsmittel, da die Polizei Gespräche über den Dienst nicht abhören konnte. Lawblogger Udo Vetter berichtet nun, dass diese Zeiten wohl vorbei sind. Bei einer Verhandlung erfuhr er von einem Zeugen, dass Skype mittlerweile genauso abgehört werden kann wie das herkömmliche Telefon.

Streetview und kein Ende

Zum Abschluss noch kurz eine Meldung zum Thema Google Streetview auf das wir den Gipfel des Absurden alsbald erreichen und endlich sachlich über digitale Öffentlichkeit diskutieren können:

Google Streetview plant, im Vorbeifahren willkürlich auf Passanten zu schießen!

Lesetipp

Wer für den Sonntag nachmittag noch etwas zu lesen braucht, dem sei Christian Hellers Aufarbeitung der letzjährigen Netzsperren-Debatte empfohlen:

“Löschen statt sperren” war von Anfang an eine absurde Parole für eine Anti-Zensur-Bewegung. Sich dabei mit dem Kampf gegen Kinderpornografie zu arrangieren, war ein vielleicht notwendiger, aber gefährlicher Kompromiss. Dieser Kampf ist nämlich unersättlich und letztlich nicht kontrollierbar.

(Noch ein) Runder Tisch zu Medienkompetenz in Bremen Dienstag, August 17th, 2010

Wann immer es im weitesten Sinne um digitale Gesellschaft geht, ist das Bildung in Medienkompetenz die zentrale Forderung. Allmählich kommt das auch in der Politik an, in Bremen hat es diese Forderung bis in den rot-grünen Koalitionsvertrag geschafft. Mit dem Ergebnis, dass zwar alle irgendwie dafür waren, dann aber niemand eine Antwort auf die Frage “Und jetzt?” hatte.

Das hat auch der Bremer Senat erkannt und einen Runden Tisch ins Leben gerufen. Derartige Runden gab es auch in Bremen schon einige, diese verfolgt aber einen erfrischend reflektierten Ansatz:

Es gab bereits zu viele unverbindliche Runden, in denen jeder Beteiligte vor allem das Interesse hatte, seinen eigenen Bereich vorzustellen, ihn als den wichtigsten zu definieren und ihn durch die Teilnahme an den Runden zu schützen und abzusichern statt wirklich Kooperationen zu suchen. Es gab weder Zielvorstellungen noch Zielvorgaben, die Runden sind meist zu „Laberclubs“ mutiert. Daher ist nun ein ergebnisorientiertes Arbeiten dringend erforderlich.

Die Zielvorstellungen und Arbeitsansätze sind in einem öffentlichen Diskussionspapier umrissen. (Hier gekürzt aufgelistet)

1. Die bestehenden Angebote sollen bekannter gemacht werden.
2. Durch gezielte Arbeit in Arbeitsgruppen und Diskussionen mit Experten sollen im Rahmen des Runden Tisches Probleme und Bedürfnisse bei der Vermittlung von Medienkompetenz identifiziert werden.
3. Mit der Auftaktveranstaltung des Runden Tisches geht eine mediale Begleitung des Themas einher. Im Idealfall berichten Radio, Fernsehen, Internet und Zeitungen über die Initiative und tragen damit zu einer landesweiten Sensibilisierung für das Thema bei.
4. Durch die Verortung des Runden Tisches in der Senatskanzlei wird der Medienkompetenzvermittlung in Bremen mehr Gewicht und Aufmerksamkeit verliehen.
5. Die Bremische Landesmedienanstalt soll stärker als bislang für das Thema gewonnen werden und nach Möglichkeit als „Kompetenzzentrum“ profiliert werden.

Zusammengefasst besteht die Aufgabe also darin, eine Bestandsaufnahme der Bremer Medienkompentenz-Angebote zu machen. Ein löblicher Vorsatz, sofern es nicht dabei bleibt.

Am 23.08. findet die Auftakt-Veranstaltung statt, im Dezember wird es dann ein Zwischenergebnis geben und das Endergebnis wird im März 2011 präsentiert.

Die Woche in meiner Timeline Samstag, August 14th, 2010

Don’t be evil: Google’s Deal mit Verizon

Webplatzhirsch Google und der US-Provider Verizon haben dieser Tage in einem gemeinschaftlichen Kraftakt die Netzneutralität beerdigt. Oder so ähnlich. Oder auch gar nicht: ich muss zugegeben, ich habe vor lauter PR-Texten, Analysen und Dementis den Faden verloren und habe keine Ahnung, was da jetzt eigentlich konkret von wem beschlossen wurde. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass es auch sonst keiner weiß. Tatsache ist: Es gibt eine Vereinbarung zwischen Google und Verizon, die eine breite Debatte zur Netzneutralität ausgelöst hat.  Jeff Jarvis bezeichnet es als neues Münchner Abkommen, die Zeit sieht gar ein digitales Mittelalter aufziehen. Ein Bündnis aus bekannten Netzpolitikern sieht sich dazu veranlasst, die Initiative Pro Netzneutralität ins Leben zu rufen. Um zu verdeutlichen, warum Netzneutralität wichtig ist, hat Yucca Tree Post eine leckere Analogie:

Nehmen wir an, ich möchte meiner Oma zum Geburtstag eine Tafel Bitter Sport schicken. Der Postangestellte sagt: Zustellung dauert eine Woche, aber wenn sie vielleicht lieber Pilka-Schokolade verschicken möchten, wäre ein Versand bis morgen möglich. Allerdings stellen wir auch jede andere Sorte bis morgen zu, wenn Sie die BonusZustellCard bestellen. Kostet nur 5 Euro im Monat zusätzlich. [...]

Woher wusste der Postangestellte, welche Schokoladensorte ich verschicken wollte? Weil er ins Päckchen geschaut hat.

Google, die zweite: Vergesst Streetview

Ebenfalls in dieser Woche (but this is just a conincidence) gab Google bekannt, das umstrittene Projekt Streetview Deutschland noch in diesem Jahr starten zu lassen. Die Ankündigung ist nicht nur geeignet, von der Verizon-Geschichte abzulenken, sondern bietet auch diversen Politikern die Möglichkeit, das verbliebene Sommerloch mit Google-Bashing zu füllen. Flugs sprießen Bürgerinitiativen aus dem Boden, die sich vehement dagegen wehren, ihr Haus von Google fotografieren zu lassen. Und damit das auch alle mitbekommen, lassen sie sich für die Zeitung vor ihrem Haus fotografieren. So sind alle wieder beschäftigt und niemand hat Zeit, über Netzneutralität, Zensus 2011 oder Datenschutz für Migranten und sozial Schwache nachzudenken.

Sixtus vs. GVU: Urheberrechte den Urhebern!

Mit einer groß angelegten Take-Down-Aktion segelte die GVU – Lieblingsfeind der Netizens – in das Fettnäpfchen der Woche. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. hatte durch einen Subunternehmer ca. 5 Mio Videos verfolgen und löschen lassen, da sie Verstöße gegen das Urheberrecht vermuteten. Dummerweise waren auch vier Folgen von Mario Sixtus “Elektrischer Reporter” und das bekannte “Du bist Terrorist”-Video von Alexander Lehmann darunter – allesamt unter Creative Commons Lizenz stehend und für nicht kommerzielle Nutzung freigegeben. Über den Fehler informiert, nahm die GVU die Löschanforderung zurück und die Videos sind wieder online. Das alles wäre nun eigentlich kein großer Aufreger. Wenn es nicht die GVU gewesen wäre. Und Mario Sixtus. Und wenn das beides zusammen nicht so eine großartige Gelegenheit wäre, die Lautsprecher der Content-Mafia mit ihren eigenen Waffen zu schlagen:

Nun mag der Eine oder die Andere mein Vorgehen für übertrieben halten, das ist es m.E. aber nicht. Die GVU ist für ihr (vorsichtig ausgedrückt) hartes Vorgehen gegen Urheberrechtsverletzer bekannt. Sie gehört zu der Fraktion, die wahrscheinlich am liebsten Schulkinder mit Handschellen von Schulhof abführen würden, weil sie eine gebrannte DVD getauscht haben. Wenn dieser Verein in meine Rechte eingreift, sehe ich es nicht ein, Fünfe gerade sein zu lassen.

- from: sixtus.cc

Hoffen auf die nächste Instanz: Dresdner Urteil gegen die Pressefreiheit

Wenn Journalisten sich einer Information nicht sicher sind, formulieren sie sie meist als Frage:

“Ermittelten die Polizisten möglicherweise illegal oder verdeckt gegen N.? Gerieten sie unter Druck, weil der einflussreiche Richter Dienstaufsichtsbeschwerde gegen sie erhob?”

Mit einer Formulierung wie dieser kann normalerweise elegant eine Verleumdungsklage vermeiden – jedenfalls, wenn man nicht gerade in Sachsen publiziert. Dort nämlich entschied das Dresdener Amtsgericht, dass sich die Journalisten Arndt Ginzel und Thomas Datt mit diesen zwei Sätzen in einem Zeit-Online-Artikel der Verleumdung schuldig gemacht haben und eine Geldstrafe zu zahlen haben. Der Richter will hier eine “ehrabschneidende Tatsachenbehauptung” erkennen. Das Urteil ist aus mehreren Gründen ein Skandal, findet nicht nur die Zeit. So musste Deutschland nach dem Rüffel von Amnesty International auch noch einen von Reporter ohne Grenzen einstecken. Na danke schön.