Vorab: nicht dass ihr denkt, ich werde wegen einer unqualifizierten Äußerung eines Parteimitglieds gleich wieder austreten. Aber ich merke: bei den Grünen ist noch Aufklärungsbedarf. So zu sehen an dem Kommentar, den der grüne Fraktionsvorsitzende der Bremer Bürgerschaft heute Mittag auf Welt-Online abgelassen hat.
Habe ihm spontan einen dreiseitigen Brief (ja, auf Papier, das liest doch sonst wieder keiner) zukommen lassen, den ich hier nicht komplett zitiere, da die meisten Argumente hinlänglich bekannt sind. (Falls nicht, siehe hier , hier und hier, weitere Links jeweils auf den Seiten.)
Eine Sache will ich nun aber doch mal klarstellen:
Zum Abschluss meines Schreibens möchte ich aber noch auf einen Satz eingehen, der meiner Meinung nach eine breite Kluft offenbart zwischen „denen, die sich das Hirn heraus getwittert haben“ und „denen, die Wälder vernichten, um sich das Internet auszudrucken“.
Sie schreiben: „Wer Ego-Shooter für Unterhaltung, Facebook für reales Leben, wer Twitter für reale Politik hält, scheint davon auszugehen, dass Gewalt keine Opfer in der Realwelt fordert.“ Auf die leidige Debatte, ob so genannte „Killerspiele“ Gewalt fördernd sind oder nicht, will ich an dieser Stelle gar nicht eingehen (Nur so viel: Warum fragt niemand danach, warum Amokläufe immer an Schulen stattfinden?). Ich möchte nur den Eindruck korrigieren, Menschen, die viel Zeit vor dem PC verbringen, hätten den Bezug zur realen Welt verloren.
Ich bin Jahrgang 1980, IT-Administratorin, sitze beruflich etwa 8 Stunden täglich am PC, privat ebenfalls noch mal zwischen 1 und 4 Stunden täglich. Ich habe Accounts bei Twitter, MeinVZ und noch einigen anderen Diensten, halte per E-Mail-Kontakt zu Freunden, die in anderen Städten leben und lese ausschließlich Online-Zeitungen, da ich Tageszeitungen für Papierverschwendung halte. Selbst meinen Fernseher habe ich gerade aufgegeben, da die für mich interessanteren Informationskanäle im Internet zu finden sind. Schon mit 12 Jahren habe ich an meinem C64 gesessen und mit meinem Bruder Spiele gespielt. Doch ich bin keineswegs ein Kellerkind, dass seit Jahren kein Tageslicht mehr gesehen hat. Ich habe Freunde und Bekannte im realen Leben – und nutze das Internet, um Kontakt mit ihnen zu halten. Ich reise gerne, entdecke fremde Länder – und nutze das Internet, um Tickets zu buchen, mich über meine Reiseroute zu informieren und meinen Freunden hinterher meine Erlebnisse zu schildern. Hinter all diesen Diensten und Kanälen verbergen sich reale Menschen. Nachrichten, die ich per Twitter versende, werden von realen Menschen gelesen. Das ist meiner Generation so bewusst wie keiner anderen. Es ist die „Generation Kugelschreiber“, die diese beiden Bereiche nicht auseinander halten kann. Und es stimmt mich traurig, dass ein Mitglied einer Partei, die ich nach wie vor für eine der Fortschrittlichste in der deutschen Parteienlandschaft halte, eine derartige Ignoranz gegenüber der Lebenswelt der Jüngeren an den Tag legt.
Entschuldigen Sie bitte, wenn ich hier einen etwas schärferen Ton gewählt habe, aber Ihr Kommentar war doch mehr als provokant. Ich zähle mich selbst zu jener „Community“, die sich Ihrer Meinung nach das „Hirn heraustwittert“, Opfer billigend in Kauf nimmt und in einer Scheinwelt lebt.
Ein Blick auf die Seite der Bürgerschaftsfraktion erklärt übrigens, wie er zu dieser … ich nenn’s mal “Meinung”… kommt: Er war mal Consultant bei Save the Children UK. Die kenn’ ich doch irgendwo her.
Ich finde es übrigens wirklich nervig, dass ich direkt nach dem Satz “Ich mache was mit Computern” den Satz “Ich hab aber trotzdem echte Freunde” hinterherschieben muss. Wollte ich nur mal gesagt haben.
Die Grünen twitterten übrigens gerade “lehnen Netzsperren ab. Auch wenn es abweichende Einzelmeinungen gibt”. Reaktionszeit < 2 Stunden. Akzeptabel.
Tags: Die Grünen, Netziges, Netzzensur


Antwort auf Güldner: Ich bin kein Kellerkind! http://brainweich.de/?p=549 #zensursula
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Ob man 1/3 Enthaltungen der grünen MdBs beim ZugErschwG noch als “Einzelmeinungen” durchgehen lassen kann…
Die Begründungen nach BT-GO sind beinahe noch schlimmer.
Der Begriff “Kinderschutz-Laien” führt derzeit noch nur zu Priska Hinz… (neben Artikeln zum Thema) 8|
der arme Grüne Güldner bekommts aber dicke: http://brainweich.de/?p=549 #zensursula #grüne-
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Es ist eine Einzelmeinung insofern, als dass vorher noch kein grüner Politiker sich derart geäußert hat. Die offizielle Parteilinie ist das nicht und ich finde es auch nicht richtig, Enthaltungen als Zustimmung zu werten.
[...] das hat sich die CDU bislang noch nicht getraut. Entsprechend erhält Güldner auch reichlich Gegenwind von seinen [...]
Warum schreibt ein grüner Fraktionsvorsitzender überhaupt in der Springer-Presse?
[...] hält, scheint das Problem nicht begriffen zu haben. Aber hoffentlich hat Ihnen das schon wer anders – traditionell auf Papier – nahezubringen versucht.Auf Ihren ulkigen Verweis – nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich – auf die [...]
Ich denke nicht, dass man diese Enthaltungen verharmlosen sollte. Ok, es waren keine Zustimmungen, aber die waren eh nicht nötig und das war bekannt. Diese Politiker haben sich einfach davor gedrückt ihre Meinung zu dem Thema offenzulegen. Gerade bei diesem Thema empfinde ich das allerdings als einen der wichtigsten Punkte. Die Entscheidung sich bei dieser Frage zu enthalten interpretiere ich als Angst. Sie wollten sich auf keine Seite stellen um so keinem Wähler auf die Füße zu treten, doch dabei haben sie sich zum Glück vertan. Für mich ist auf jedenfall klar, dass ich so eine feige Art nicht akzeptieren kann und daher wird mir die nächste Wahl deutlich leichter Fallen (letztes Mal waren die Grünen noch eine Option neben den Piraten)
[...] reaktionen jedoch sind eindeutig: manch einer tritt schon aus, andere bleiben schweren herzens, doch angefressen in der partei. fuer viele ist die partei damit unwaehlbar und die entsprechende [...]
Die “Grünen” haben schon öfters gezeigt “welch geistes Kind” sie sind, Ausstieg aus der NATO, Voratsdatenspeicherung, Moorburg, Afghanistan, Vertuschung von CIA-Entführungen etc, etc. Spätestens wenn die wieder im Bundestag sitzen, werden alle vorherigen Positionen, Meinungen und Versprechen konsequent über Bord geschmissen!
Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Tomez
@Tomez:
Wenn man aufgrund von einigen Fehlentscheidungen (ja, richtig, es waren auch wirklich üble Fehlentscheidungen dabei: Trotzdem!) eine Partei für unwählbar erklärt, kann man innerhalb kurzer Zeit gar keine mehr wählen. Auch die Piratenpartei, der ich jeden Erfolg gönne, wird in Zukunft Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen. Sich deshalb aber sofort und unwiderruflich von den Parteien abzuwenden, halte ich für den falschen Weg. Denn es führt dazu, dass sich niemand mehr in die Politik einbringt und die Politiker früher oder später wirklich machen können, was sie wollen. An diesem Punkt sind wir schon fast, und ich finde das gefährlich.
@Kwink:
Das hab ich mich auch schon gefragt…
@Flash2k6
Ich interpretiere die Enthaltungen eher als Unwissenheit. Den meisten MdBs ist das Thema Netzpolitik einfach noch nicht wichtig genug, um sich intensiv damit zu beschäftigen und sich eine Meinung dazu zu bilden. Ok, vielleicht bin ich zu nachsichtig, aber ich bleibe zuversichtlich, dass sich das noch ändert.
Es gibt auch Grüne die wie normale Menschen denken o.O Schöner Kommentar: http://brainweich.de/?p=549
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und nochmal zu #güldner: http://brainweich.de/?p=549
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Das einzig gute an der Zensurscheixxx: Man kann gute Blogeinträge lesen: http://brainweich.de/?p=549
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[...] haben da schon gut drauf reagiert (man beachte auch die Diskussion bei zeit.de), ich will mich mit so etwas nicht länger [...]
Die Grünen werden gespalten durch die Aussagen des Herrn Güldner: http://bit.ly/BdRIP und http://bit.ly/57NR0 #grüne- #piraten+
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Ich interpretiere die Enthaltungen eher als die Feigheit, dem eigenen Programm und den eigenen Überzeugungen bei einem PR-technisch schwierigem Thema wie Kinderpornografie die Treue zu halten.
zeit.de hat gerade ganz demokratisch die 17 Seiten Leserkommentare verdampft…;-)
[...] Wenn man auf der Seite der Bremischen Grünen nach sieht, kann man erfahren, dass Hr. Güldner als Consultant für “Save the Children” tätig war. Und wem der Name bekannt vorkommt, der hat Recht. Irgendwie sind es doch immer die selben Verdächtigen. Gefunden hab ich dies nette Detail hier. [...]
Generation Kugelschreiber” – GE NI AL !!! Unbedingt verbreiten!
[...] Natürlich kam prompte Antworten per Kommentarfunktion unterhalb seines Beitrages. Andere aber schickten ihm einen Brief. So mit Papier und Briefmarke und so. Bei jemanden der solche Kommentare abläßt sicherlich nicht [...]
[...] Beitrag zum Thema, ebenso wie der von Markus und die Kommentare dazu. Gut auch der Eintrag im Brainweich Blog der im Gegensatz zu Sebastian von FalsePositivnicht bei den Grünen deshalb austreten [...]
[...] [...] unserer grünen Programmlage”), kommt die beste und nachvollziehbarste Wortmeldung von Sabrina aus Bremen: Sie schreiben: „Wer Ego-Shooter für Unterhaltung, Facebook für reales Leben, wer Twitter für [...]
Als einstmaliger Stimmensplitter habe ich mich nach dem Murks in der SPD und den GRÜNEN nun entschlossen die gelben zu wählen.
Die sind noch für Datenschutz bzw. gegen Vorratsdatenspeicherung. Und gegen die Internetsperren sind sie auch.
Und somit leider die (derzeit) einzige ernstzunehmende Alternative. Bei den PIRATEN ist mir der “Bespaßungsfaktor” zu hoch und Nichtwählen leistet nur den braunen Vorschub…
@Dietmar Franzenburg
“Die sind noch für Datenschutz”
Ääh, nein. Das sind sie nur solange sie in der Opposition sind. Sobald sie mitregieren, sind sie plötzlich für mehr Videoüberwachung, Nutzung anlasslos gespeicherter Verbindungs- und Standortdaten, Datenauslieferung an das Ausland und Bundestrojaner für Skype-Nutzer.
Quelle: http://www.daten-speicherung.de/index.php/fdp-will-hessische-polizei-aufruesten/
Und dieses Wetterfahnenverhalten ist nur einer der vielen vielen vielen Gründe, warum man die FDP nicht wählen kann.
@Bella
Mag sein. Glaub ich sogar. Habe der FDP nie so recht getraut bzw. konnte mit der Pünktchenpartei noch nie etwas anfangen.
Es ist eine Bredouille, als (inzwischen 45jähriger) Wählwilliger nicht mehr zu wissen was man da wählen soll.
Dies wollte ich eigentlich durch meinen obigen Beitrag zum Ausdruck bringen.
Gruß
Dietmar
[...] ich einen neuen Begriff entdeckt, quasi als Gegenpol zur Generation Upload – da war von der Generation Kugelschreiber die [...]