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Olé olé, Super EP! Donnerstag, Februar 11th, 2010

Das EU Parlament hat heute mit deulicher Mehrheit das SWIFT-Abkommen gestoppt. Von den 736 Abgeordneten stimmten 378 gegen das Abkommen (51 %), bei 196 Gegenstimmen und 162 Enthaltungen. Damit ist die Weitergabe von Bankdaten europäischer Bürger an die USA vorerst gestoppt.

Bei dieser Abstimmung dürfte auch die Art und Weise, wie der Rat in der Angelegenheit vorgegangen ist, eine Rolle gespielt haben. Im Juli 2009 wurde bekannt, dass die USA in Verhandlungen mit dem Rat der EU stand, um weiterhin die innereuropäischen Bankdaten der SWIFT einsehen zu können, die seit einer Umstrukturierung des Unternehmens nicht mehr in den USA, sondern in der Schweiz gespeichert werden. Das Abkommen wurde am 30.11.09, nur einen Tag vor Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon vom Rat verabschiedet – auch dank der Enthaltung des deutschen Innenministers de Maiziére. Einer Beratung im EU-Parlament scheint der Rat bewusst entgegengewirkt zu haben, wie Jan Phillip Albrecht berichtet (<- absolut lesenswert!).

Nun ist es an der Kommission, in erneute Verhandlungen mit den amerikanischen Behörden einzutreten – und diesmal hat das EU-Parlament von Anfang an ein Wörtchen mitzureden. Mit diesem Ergebnis haben die Abgeordneten deutlich gemacht, dass sie ihre durch den Lissabon-Vertrag verliehenen Rechte und Befugnisse ernst nehmen und sie im Sinne ihrer Wähler nutzen. Und sie haben gezeigt, dass sie nicht gedenken, sich von Rat und Kommission weiterhin derart bevormunden zu lassen.

In diesem Sinne: Zwei Daumen hoch und lasst Sektkorken knallen!

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‘Tschuldigung, wenn’s zum Ende hin etwas pathetisch wurde, ich freu mich halt…

SWIFT Abkommen auf der Kippe Donnerstag, Februar 4th, 2010

Der Innenausschuss des Europäischen Parlaments hat das umstrittene SWIFT Abkommen heute abgelehnt. Der Ausschuss empfiehlt dem Parlament, bei der Abstimmung am 11.2. gegen das Abkommen zu stimmen. Interessant dazu der Podcast des DLF (2:57 min)

Die EU wird anders. Ob’s besser wird, zeigt sich noch. Dienstag, Dezember 1st, 2009

Heute tritt nach langem Hin und Her der Vertrag von Lissabon in Kraft. Über den Daumen gepeilt würde ich schätzen, dass das Verhältnis von Befürwortern und Gegnern etwa 50:50 beträgt. In der Zivilgesellschaft meine ich, die Politik ist sowieso dafür.

So stimmt es sicher, dass der Vertrag die neoliberale Ausrichtung der EU weiter zementiert wird und auch die demokratische Legitimation der Institutionen lässt weiter zu wünschen übrig. Ganz zu Schweigen von der Art und Weise, wie der Reformvertrag letzendlich beschlossen und durchgedrückt wurde.

Anyway: Im Vergleich zum Vertrag von Nizza ist es ein Schritt nach vorn.  Das Europäische Parlament – die einzige direkt gewählte Institution – erhält deutlich stärkere Befugnisse und kann nun in den meisten Politikbereichen mitbestimmen. Dazu zählen insbesondere der Bereich innere Sicherheit und Polizeiliche Zusammenarbeit. Gerade wenn es um den Datensammelwahn der EU geht, stand das Parlament bisher den meisten Einfällen der Kommission kritisch gegenüber. Nun kann zu diesem Thema kein Gesetz mehr ohne die Parlamentarier verabschiedet werden – hoffen wir, dass sie ihre kritische Haltung beibehalten.

Weitere Infos: Überblick über die neuen Befugnisse der EU Rechtsetzung

Ein Datenbank-Cent für Herrn L. Donnerstag, August 6th, 2009

Spätenstens seit dem 30. April 2009 müssen in EU-weit die Empfänger von Agrarsubventionen veröffentlicht werden.  Seit dem 16. Juni ist das in Deutschland auch tatsächlich der Fall. Grundsätzlich bewerte ich das sehr positiv, bringt es doch endlich ein wenig Transparenz in den Subventionswahn der EU. Immerhin geht es hier um unsere Steuergelder, und die Profiteure der gut 5 Mrd € pro Jahr sind in erster Linie in der Agrarindustrie zu finden.  Es ist schon sehr interessant zu erfahren, dass in Deutschland die Südzucker AG mit runden 34 Mio. Beihilfen, verteilt auf sämtliche Fonds, unangefochtener Spitzenreiter ist. Auf Platz 2 folgt mit rund 10 Mio das Land Schleswig-Holstein. Naja, die brauchen’s ja auch zur Zeit. Dagegen sind Nestlé mit ihren gerade mal 261.490,84 € und Kraft Foods mit 293.792,49 €  ja geradezu bescheiden. (Alle Zahlen beziehen sich auf 2008)

Mit welcher Berechtigung die Agrar-Marketinggesellschaft CMA (die mit dem Gütesiegel und Erfinder von “Die Milch macht’s”) in 2008 ganze 5.828.023,93 € eingestrichen hat, ist mir noch nicht ganz klar. Womöglich fällt das unter “bestimmte Informations- und Absatzförderungsmaßnahmen für landwirtschaftliche Erzeugnisse auf dem Binnenmarkt der Gemeinschaft und in Drittländern, die von den Mitgliedstaaten durchgeführt werden”. (s. Glossar)

Die Kehrseite der Medaille: In der Datenbank steht jeder Empfänger. Auch Herr L. aus S., der wofür auch immer im letzten Jahr 0,01 € bekommen hat. Ein Datenbank-Cent sozusagen, der ihm nichts weiter gebracht hat, als dass sein Name samt Wohnort nun im Internet steht.

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat sich mit Verweis auf den Datenschutz mit Händen und Füßen gegen die EU-Verordnung gesträubt. Allerdings nur bis zur Europawahl. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hatte seinerzeit gegen die Veröffentlichung keine Einwände, da das öffentliche Interesse in diesem Fall vorgehe und die Empfänger bei der Antragstellung einer Veröffentlichung zugestimmt haben. Aber hatten sie eine Wahl? War allen die Bedeutung dieser Klausel bewusst? Bei der Rechtsabteilung von Südzucker mache ich mir da keine Sorgen. Ich bin aber nicht sicher, ob meinem Nachbarn aus meinem Heimatdorf klar war, dass nun ein Teil seines Einkommens Stoff für die nächste Kneipen-Diskussion werden könnte. Hätte Herr L. auf seinen Cent verzichtet, wenn er dafür anonym geblieben wäre?

Hätte man eine Grenze ziehen können? Dass das nicht funktioniert, kennt man aus anderen Bereichen: Bei Bareinzahlungen über 15.000 € muss man den Namen des Einzahlers angeben – also zahlt man nur 14.999,99 € ein und kommt am nächsten Tag noch mal wieder. Hätte man es auf Unternehmen beschränken können? Dann hätten alle Unternehmen halt eine Privatperson als Zahlungsempfänger angegeben. Die Ehefrau soll in solchen Fällen ja praktisch sein, habe ich gehört. Jede Grenze, die zum Schutz “normaler Bürger” gezogen wird, nutzt am Ende doch den Haien.

Die Piratenpartei wirbt mit dem Slogan “Transparenter Staat statt gläsernem Bürger”. Hier konnten wir nun den transparenten Staat nur mit gläsernen Bauern realisieren. Bei allen Vorteilen, die diese Regelung hat und bei allen Diskussionen, die die Vergabe nun hoffentlich entfachen wird – so richtig super finden kann das jetzt nicht.

Mal kurz über den Tellerrand geblickt… Sonntag, Juli 12th, 2009

… und was müssen wir da sehen? Unser für liberal gehaltenes Nachbarland im Westen hat den Überwachungsstaat schon viel weiter getrieben als hierzulande. Fefe hat da zum Beispiel diesen niederländischen Blogeintrag ausgegraben: In Den Haag werden zur Zeit in den “krachtwijken” (was sich wohl am besten mit “Sozialer Brennpunkt” übersetzen lässt) alle 27.804 Adressen systematisch kontrolliert. Dabei werden zunächst “digital durch die Kopplung von Datenbanken der verschiedenen Behörden” verdächtige Wohnung aussortiert, die dann per Hausbesuch noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden. Es gilt, unzulässige Übervermietung, Hanfzucht und Verwahrlosung zu beseitigen. Nach den Erwartungen der Gemeinde Den Haag sollen so bis 2010 rund 13.000 Adressen besucht werden, also etwa jede zweite Wohnung. Welche Daten da gekoppelt werden, drüber erteilt die Gemeinde übrigens keine Auskunft.

Am 10. Juni hat sich nun ein Bewohner, der in den niederländischen Blogs als Devidas bekannt ist, geweigert, die Kontrolleure in seine Wohnung zu lassen. Daraufhin bekam er ein Schreiben der Gemeinde mit einem neuen Termin (25. Juni) und dem Hinweis:

“U bent wettelijk verplicht mee te werken aan het onderzoek. Indien u weigert aan dit onderzoek mee te werken wijzen wij u erop dat wij der moegelijkheid hebben om op een later tijdstip de woning te betreden met een machtiging tot binnetreden zonder toestemming en aanwezigheid van de eigenaar en/of de bewoner(s)”

Um den Babelfisch-Effekt zu vermeiden, übersetze ich mal direkt:

“Sie sind weiterhin verpflichtet, an der Untersuchung mitzuwirken. Falls Sie sich weigern an der Untersuchung mitzuwirken, weisen wir Sie darauf hin, dass wir die Möglichkeit haben zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Durchsuchungsbefehl (*) die Wohnung zu betreten, ohne Zustimmung und Anwesenheit des Eigentümers und/oder Bewohners.”

* ja, das heißt wirklich Durchsuchungsbefehl, laut dem niederländischen Wiki ist “machtiging tot binnentreden” ein Synonym für “huiszoekingsbevel”.

Auf welche rechtliche Grundlage sich die ganze Aktion stützt, hat Devidas bisher nicht ergründen können. Bei einem Telefonat mit der Gemeinde Den Haag wurde ihm zwar mehrfach zugesichert, dass das juristisch schon alles seine Richtigkeit hätte, welche Gesetze dem aber konkret zu Grunde liegen, solle er doch bitte schön im Internet nachschauen. (Transkript des Telefonats)  Devidas verlangte, den Termin aufzuschieben, bis er eine Auskunft über die zugrundeliegende Gesetze erhalten habe. Diese Auskunft wollte er schriftlich einreichen und erhielt zu diesem Zweck eine Faxnummer, die sich später als falsch herausstellte. Wie der Fall weitergeht, kann auf www.vrijsprekers.nl verfolgt werden (rechts auf den blauen Kasten “Gerelateerd” achten.)

Aktuell hat die Partei GroenLinks eine Anfrage an den Beigeordneten Norden gestellt, deren Beantwortung von GroenLinks aber als absolut unzureichend bezeichnet wird. Die Partei hat nun eine weitere Anfrage gestellt. Bis dahin wird das Video mit der Antwort hoffentlich von irgendwem transkribiert, mein Hörverständnis des Niederländischen ist nämlich unterstes Level…

In Rotterdam gab’s das übrigens 2007 auch schon, hier ist aber der Ombudsmann (Bürgerbeauftragter) eingesprungen und hat den Kontrolleuren strenge Regeln auferlegt.

Das sind Methoden… Aber warum wohnt man denn auch in einem sozialen Brennpunkt? Doch nur um Hanf anzubauen und andere illegale Sachen zu machen. Und dann läßt man noch die Häuser verwahrlosen, um sie illegal übervermieten zu können. Von wegen günstige Mieten, der Rückzug in die Anonymität ist das! Da muss man doch was tun. Und natürlich muss man da hart durchgreifen, wer die Kontrolleure nicht reinläßt hat ja wohl ganz klar was zu verbergen! Der soziale Brennpunkt darf kein rechtsfreier Raum sein!

Update: Die Vorsitzende von GroenLinks, Heleen Weening, versicherte mir auf Anfrage, dass die Kontrolleure nicht unbedingt von Tür zu Tür gehen, sondern dass schon “some sort of suspicion” vorliegen sollte. Der Hauptkritikpunkt von GroenLinks ist, dass die Kontrolleure auch ohne die Zustimmung des Mieters/Eigentümers Zutritt verlangen. Am Verfahren generell hat scheinbar kaum jemand etwas auszusetzen: “On the internet there has been some discussions about the approach but it has not yet been a great issue in the media.”

Die zweite Anfrage an die Haager Verwaltung wird übrigens in ca. 3-5 Wochen beantwortet werden.

Der BLAUE! Nicht der Rote! Samstag, Mai 30th, 2009

Da ich ja am kommenden Wochenende in München weilen werde, aber nicht auf die Teilnahme an der Europawahl verzichten wollte, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Briefwahl beantragt und fühle mich unheimlich demokratisch gerade.

Stimmzettel

Der Rücksendeumschlag hat mir sodann auch noch mein neues Lieblingswort der Woche beschert:

Sodann! Europawahl erledigt!

Sodann! Europawahl erledigt!

Warum… Donnerstag, September 18th, 2008

… werden in Deutschland eigentlich so wenig bundesinterne Busreisen angeboten?

Während man in Spanien wunderbar per Bus durch das Land reisen kann, bleibt einem beispielsweise von Bremen nach Frankfurt nur die Bahn. Eine Busverbindung wird nicht angeboten. Warum ist das so?

Darauf habe ich sogar mal eine Antwort! Laut dem deutschen Personenbeförderungsgesetz von 1931 dürfen nämlich keine Verbindungen angeboten werden, wenn diese “ohne eine wesentliche Verbesserung der Verkehrsbedienung Verkehrsaufgaben übernehmen soll, die vorhandene Unternehmer oder Eisenbahnen bereits wahrnehmen”. Der vorhandene Unternehmer oder Eisenbahn ist in diesem, wie in den meisten Fällen, die Deutsche Bahn. Da ein Bus nach einhelliger Meinung (insbesondere der Meinung der Deutschen Bahn, vermute ich) keine wesentliche verbesserung darstellt, gibts keinen Bus von Bremen nach Frankfurt.

Dabei wäre das nicht nur günstiger, sondern auch noch umweltfreundlicher. Laut einer Studie des IFEU verbraucht die Bahn etwa doppelt soviel Energie wie ein voll besetzter, moderner Reisebus.