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Vorratsdatenspeicherung gekippt!!! Dienstag, März 2nd, 2010

PAAAAAAAAARTYYYY!!!!!

Das Bundesverfassungsgericht hat die Vorratsdatenspeicherung gekippt! Komplett! Zitat aus dem Urteil:

Der Verstoß gegen das Grundrecht auf Schutz des Telekommunikationsgeheimnisses nach Art. 10 Abs. 1 GG führt zur Nichtigkeit der §§ 113a und 113b TKG sowie von § 100g Abs. 1 Satz 1 StPO, soweit danach Verkehrsdaten gemäß § 113a TKG erhoben werden dürfen. Die angegriffenen Normen sind daher unter Feststellung der Grundrechtsverletzung für nichtig zu erklären.

Nichtig!!!

In der mündlichen Begründung wurde außerdem mitgeteilt (im Urteil hab ich den Passus noch nicht gefunden), dass alle bisher gespeicherten Daten gelöscht werden müssen.

Von allen möglichen Szenarien war dies wohl das unwahrscheinlichste. Jippieh!!

Sach mal… Samstag, August 8th, 2009

“Wir haben starke Grundrechte in unserem Grundgesetz verankert, aber die hindern uns manchmal, einfache, klare Lösungen zu finden.”

Angelika Krüger-Leißner, filmpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, in einem Interview, zitiert bei heise

Grundrechte sich schon echt lästig.

Ernsthaft, ich finde es wirklich schlimm, dass anscheinend immer mehr Politiker das Grundgesetz und die darin verbrieften Rechte nur noch als so eine Art Diskussionsgrundlage betrachten.

Nicht lesen! Mittwoch, August 5th, 2009

Grundrechte-Report 2009Leudde, ich sach’s euch: Ihr dürft auf keinen Fall den Grundrechte-Report 2009 lesen. Ihr regt euch nur auf. Darin geht’s um so Sachen wie Aushöhlung des Datenschutzes und der Meinungsfreiheit, “Präventives Gewahrsam” für Anti-Atom-Aktivisten, Folter, Überwachungswahn, Behandlung von Asylsuchenden und Flüchtlingen und so weiter.

Dieser ganze Kram, der im Lande zur Zeit halt so passiert. Kennt man ja. Will man doch gar nicht wissen. Und hat ja auch gar keinen Sinn, sich darüber aufzuregen. Wie stand’s heut bei stern.de?

Das Volk fühlt sich entmündigt. Und es ist entmündigt. Allein der Bundestag ist unmittelbar vom Wahlvolk legitimiert (auf Länderebene die Landtage). Alle anderen Verfassungsorgane, Präsident und Kanzler(in) voran, leiten ihre Legitimation davon ab. Verlagern sich die politischen Entscheidungen aber aus dem Parlament in Machtzirkel und Koalitionsrunden, die das Grundgesetz gar nicht kennt, wird der Bundestag also kaltgestellt und nur noch nachträglich zur formalen Absegnung missbraucht, ist Politik de facto demokratiefrei.

Also. Denkt an euren Blutdruck. Lest es nicht.

ISBN: 979-3-596-18373-9

250 S., nur 9,95 plus Versand unter anderem hier, hier, hier und hier

Nachdem das ja mit der reversen Psychologie bei dem “Geh nicht hin“-Spot so gut funktioniert hat, wollte ich das auch mal versuchen. Die Ironie war in diesem Fall natürlich überdeutlich.
Frösche im heißen Wasser Samstag, Juli 25th, 2009

Der Kaffee hat nicht geholfen. Müde vom nächtlichen Kofferpacken erreiche ich den Marktplatz. Nur so wenige? Nicht einmal 500, optimistisch geschätzt. Zwanzig, vielleicht 25 halten abgegriffene Transparente und Schilder hoch. „Freiheit statt Angst!“ – „Stasi 2.0“, die gleichen Parolen seit 15 Jahren. Nur wenig Aktuelles: „Präventionsdatei löschen – sofort!“  – „Entwaffnet die Stewardessen!“ Am Rande, als hätte er sich heimlich dazu gestellt, darauf hoffend nicht entdeckt zu werden, hält ein schüchtern wirkender Mann um die vierzig eine orangefarbene Flagge in den eisigen Wind.
Ein Polizist baut sich vor mir auf. Sein Gesicht kommt mir bekannt vor. „Ausweis!“ Ich reiche ihm die Chipcard. Als das Display des Lesegeräts meinen Namen preisgibt, erinnert er sich.
„Sie haben hier Rederecht?“ fragt er überrascht.
„Ja, meine Rede wurde genehmigt. Wohl weil es meine letzte ist.“
[....]
Ganzer Text als PDF

Der Versuch, meine Gedankengänge zum Überwachungsstaat in einer Kurzgeschichte auf den Punkt zu bringen. Wer sich über den Titel wundert, möge ihn einfach mal googlen ;-)

12.09.09 Berlin: Freiheit statt Angst Samstag, Juli 18th, 2009

Mal kurz über den Tellerrand geblickt… Sonntag, Juli 12th, 2009

… und was müssen wir da sehen? Unser für liberal gehaltenes Nachbarland im Westen hat den Überwachungsstaat schon viel weiter getrieben als hierzulande. Fefe hat da zum Beispiel diesen niederländischen Blogeintrag ausgegraben: In Den Haag werden zur Zeit in den “krachtwijken” (was sich wohl am besten mit “Sozialer Brennpunkt” übersetzen lässt) alle 27.804 Adressen systematisch kontrolliert. Dabei werden zunächst “digital durch die Kopplung von Datenbanken der verschiedenen Behörden” verdächtige Wohnung aussortiert, die dann per Hausbesuch noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden. Es gilt, unzulässige Übervermietung, Hanfzucht und Verwahrlosung zu beseitigen. Nach den Erwartungen der Gemeinde Den Haag sollen so bis 2010 rund 13.000 Adressen besucht werden, also etwa jede zweite Wohnung. Welche Daten da gekoppelt werden, drüber erteilt die Gemeinde übrigens keine Auskunft.

Am 10. Juni hat sich nun ein Bewohner, der in den niederländischen Blogs als Devidas bekannt ist, geweigert, die Kontrolleure in seine Wohnung zu lassen. Daraufhin bekam er ein Schreiben der Gemeinde mit einem neuen Termin (25. Juni) und dem Hinweis:

“U bent wettelijk verplicht mee te werken aan het onderzoek. Indien u weigert aan dit onderzoek mee te werken wijzen wij u erop dat wij der moegelijkheid hebben om op een later tijdstip de woning te betreden met een machtiging tot binnetreden zonder toestemming en aanwezigheid van de eigenaar en/of de bewoner(s)”

Um den Babelfisch-Effekt zu vermeiden, übersetze ich mal direkt:

“Sie sind weiterhin verpflichtet, an der Untersuchung mitzuwirken. Falls Sie sich weigern an der Untersuchung mitzuwirken, weisen wir Sie darauf hin, dass wir die Möglichkeit haben zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Durchsuchungsbefehl (*) die Wohnung zu betreten, ohne Zustimmung und Anwesenheit des Eigentümers und/oder Bewohners.”

* ja, das heißt wirklich Durchsuchungsbefehl, laut dem niederländischen Wiki ist “machtiging tot binnentreden” ein Synonym für “huiszoekingsbevel”.

Auf welche rechtliche Grundlage sich die ganze Aktion stützt, hat Devidas bisher nicht ergründen können. Bei einem Telefonat mit der Gemeinde Den Haag wurde ihm zwar mehrfach zugesichert, dass das juristisch schon alles seine Richtigkeit hätte, welche Gesetze dem aber konkret zu Grunde liegen, solle er doch bitte schön im Internet nachschauen. (Transkript des Telefonats)  Devidas verlangte, den Termin aufzuschieben, bis er eine Auskunft über die zugrundeliegende Gesetze erhalten habe. Diese Auskunft wollte er schriftlich einreichen und erhielt zu diesem Zweck eine Faxnummer, die sich später als falsch herausstellte. Wie der Fall weitergeht, kann auf www.vrijsprekers.nl verfolgt werden (rechts auf den blauen Kasten “Gerelateerd” achten.)

Aktuell hat die Partei GroenLinks eine Anfrage an den Beigeordneten Norden gestellt, deren Beantwortung von GroenLinks aber als absolut unzureichend bezeichnet wird. Die Partei hat nun eine weitere Anfrage gestellt. Bis dahin wird das Video mit der Antwort hoffentlich von irgendwem transkribiert, mein Hörverständnis des Niederländischen ist nämlich unterstes Level…

In Rotterdam gab’s das übrigens 2007 auch schon, hier ist aber der Ombudsmann (Bürgerbeauftragter) eingesprungen und hat den Kontrolleuren strenge Regeln auferlegt.

Das sind Methoden… Aber warum wohnt man denn auch in einem sozialen Brennpunkt? Doch nur um Hanf anzubauen und andere illegale Sachen zu machen. Und dann läßt man noch die Häuser verwahrlosen, um sie illegal übervermieten zu können. Von wegen günstige Mieten, der Rückzug in die Anonymität ist das! Da muss man doch was tun. Und natürlich muss man da hart durchgreifen, wer die Kontrolleure nicht reinläßt hat ja wohl ganz klar was zu verbergen! Der soziale Brennpunkt darf kein rechtsfreier Raum sein!

Update: Die Vorsitzende von GroenLinks, Heleen Weening, versicherte mir auf Anfrage, dass die Kontrolleure nicht unbedingt von Tür zu Tür gehen, sondern dass schon “some sort of suspicion” vorliegen sollte. Der Hauptkritikpunkt von GroenLinks ist, dass die Kontrolleure auch ohne die Zustimmung des Mieters/Eigentümers Zutritt verlangen. Am Verfahren generell hat scheinbar kaum jemand etwas auszusetzen: “On the internet there has been some discussions about the approach but it has not yet been a great issue in the media.”

Die zweite Anfrage an die Haager Verwaltung wird übrigens in ca. 3-5 Wochen beantwortet werden.

Handeln statt Wegsehen Freitag, Juni 19th, 2009

Pressemitteilung des CCC Bremen:

Demonstration gegen die beschlossene Zensurinfrastruktur für das Internet

Der Chaos Computer Club Bremen e.V. (CCC Bremen) ruft für Samstag, 20. Juni 2009 zu einer Demonstration gegen Internetsperren auf. Treffpunkt ist um 12:00 Uhr am Ziegenmarkt im Viertel.

Hintergrund ist das am Donnerstagabend mit den Stimmen der Großen Koalition im Bundestag beschlossene Zugangserschwerungsgesetz. Das Gesetz stellt nach Ansicht des CCC Bremen und vieler anderer Organisationen in ganz Deutschland eine Gefahr für die Meinungs- und Informationsfreiheit dar.

Bundesweit rufen daher der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur sowie die Piratenpartei zu Demonstrationen gegen das Gesetz auf, gegen das sich bereits im Vorfeld 134.014 Menschen in einer Petition  ausgesprochen hatten.

“Unser Motto ist Handeln statt Wegsehen und was da im Bundestag beschlossen wurde, ist organisiertes Wegsehen”, so Sebastian Raible, ein Sprecher des CCC Bremen.

“Bereits jetzt ist klar, dass die beschlossenen Sperren nur der Anfang einer Zensurinfrastruktur für das Internet sein können, wie wir sie aus undemokratischen Staaten kennen. Die sogenannte Kinderpornographie ist dabei nur das Mittel zum Zweck, angeführte Zahlen über das Marktvolumen
besitzt die Bundesregierung überhaupt nicht” , so Raible weiter.

Als Gefahr für die Zukunft fürchten die Bündnispartner die Ausdehnung der Sperren auf andere Inhalte wie bei Urheberrechtsverletzungen, Volksverhetzung, Extremistischen oder einfach kritischen Internetseiten.

Damit nicht genug, bei der Anhörung von Experten durch den Wirtschaftsausschuss im Bundestag konstatierten diese der Reihe nach die Verfassungswidrigkeit.

“Bisher galt durch das Grundgesetz: Eine Zensur findet nicht statt. Heute hat dies mit den Stimmen von CDU, CSU und SPD ein Ende.”

Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur plant bereits eine Verfassungsbeschwerde.


Quelle

10. Dezember 1948 Mittwoch, Dezember 10th, 2008

Heute feiern wir den 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Und ich musste feststellen: einige davon kannte ich gar nicht. Daher präsentiere ich heute mal alle 30 Artikel im Überblick. Bei der Einhaltung hat aber auch Deutschland noch Ausbaubedarf….

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

Artikel 3

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 4

Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten.

Artikel 5

Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.
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